Psychische Krankheit am Arbeitsplatz…

..geht uns alle an

Seit Jahren ist klar, psychische Krankheiten nehme in der industriellen Welt zu. Seit Jahren. Davon ist die Schweiz gut und gerne eines der Spitzenländer. Zunehmender Leistungsdruck, Überforderung in der ganzen Hierarchie und immer weniger gut ausgebildetes Personal sind die Hauptfaktoren. 

Spannend erscheint mir, dass unzählige Studien, Bericht und ganze Expertengruppen auf diese Problematik hinweisen – ohne dass es sich merklich ändert. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die psychisch belastet sind, werden durch das Gesundheitswesen betreut – Hausarzt, Facharzt, Therapien – bezahlt von Krankenkassen, Unfall- und Taggeldversicherungen. Das Problem ist also quasi „outgesourced“, die Wirtschaft läuft weiter, es beeinflusst diese kaum. 

Was hingegen passiert im beruflichen Umfeld?

In den unzähligen Begegnungen in Psychiatrien und psychiatrieähnlichen Institutionen zeigt sich die Schwierigkeit im Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz. Einerseits braucht jeder in diesem Land ein Einkommen zum Leben und die Fixkosten zu decken. Dieses Geld wird in Mehrheit der Bevölkerung durch Arbeit generiert. Wer da rausfällt, steckt sofort in Schwierigkeiten.

Zudem läuft der Betrieb weiter. Andere Mitarbeitende müssen zwangsweise kompensieren, was der/die kranke Person hinterlässt. Teilweise über Monate. Kaum ein KMU reduziert seine Leistung, wenn Personal längere Zeit ausfällt. Wenn das einmal vorkommt, ist das auch gut zu kompensieren. 

Bei psychischen Erkrankungen sieht es leider etwas anders aus. Ein guter Prozentsatz wird rückfällig, teilweise mehrfach. Oder sie sind für längere Zeit nicht in der Lage, die gewünschte Leistung zu erbringen. Dies belastet die kompensierenden Arbeitskollegen im Betrieb und die Stimmung im Team fängt an zu wanken. Das wiederum führt zu grösseren Druck, z.B. nach einem erneuten Klinkaufenthalt an die Arbeit zurück zu gehen. Irgendwann löst man „im gegenseitigen Einvernehmen“ den Vertrag auf. Der Eine wird herausgestellt, der Andere neu angestellt. Das Problem, aus der wirtschaftlichen Sicht, ist gelöst. Nicht so für den/die Betroffene.

Psychische Krankheiten betreffen alle – nicht alle anderen. Es kann jeden treffen. Auch Kaderpersonal, das darf hier mal erwähnt werden. 

Meist steht ein Burnout oder eine Depression im Vordergrund. Nicht selten verstecken sich aber andere Krankheitsbilder dahinter. Die sind öfters die Ursache, damit eine Depression überhaupt entstehen kann.

So zeigten sich im Coaching nicht selten eine „verbissene Überzeugung“ zu wissen wie man es machen (muss) und plant deren Umsetzung. Scheitert der Plan, kommt es zur Überforderung. 

Oder der Mitarbeiter/die Mitarbeiterin passt sich ständig an und versucht allen gerecht zu werden. Grenzen zu setzten fällt schwer und der liegengebliebene Berg führt zum Kollaps. 

Ein Teil der Bevölkerung hat Schwierigkeiten, ihren Energiehaushalt zu kontrollieren. Einmal fühlt man sich beflügelt und erledigt viel mehr als erwartet. Am nächsten Tag kommt man kaum aus dem Bett und „schläft“ sich durch den Arbeitstag. 

Andere wiederum wissen am Abend nicht mehr, was sie den ganzen Tag gemacht haben. Sie fangen öfters eine Arbeit an und beenden die Angefangene nicht oder erst viel später.

Die 4 weiteren Beispiele spielen auf mögliche Krankheitsbilder an, die öfters im Berufsfeld anzutreffen sind.  Sie tragen bei, dass eine Zusammenarbeit nicht ganz leicht fallen kann. Und dennoch sollten sie keine Kündigungsgründe sein. Denn meist haben gerade diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hervorragende Qualitäten, welche im Betrieb nötig sind. 

Was ist also zu tun?

Ist bereits eine grosse Spannung vorhanden, zieht man am besten eine externe, neutrale Person bei. Denn dem HR – welches dafür ausgebildet und dafür zuständig ist – misstrauen (leider) die meisten Mitarbeitenden, sie sind zu nah und es ist unklar, wohin und wie die Informationen fliessen. Zudem besteht oft eine Hierarchie, die „klären auf Augenhöhe“ erschweren. 

Einer externen Person fällt es einfacher, sich neutral zu verhalten. Sie erhält einen Auftrag und erfüllt diesen. Sie ist nicht voreingenommen und hat keine versteckten Interesse zu wahren. 

Zudem gibt es unzählige Angebote, aktiv die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zu unterstützen: Gesundheitsexperten, Dienststelle Gesundheit, Fitness und gesunde Ernährung am Arbeitsplatz, Weiterbildungen. Es gibt heute schon wunderbare KMU’s, welche für ihre Mitarbeitenden alles tun.

An was liegt es, dass trotzdem die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz stets abnimmt?

Genau weiss ich es nicht, aber eines weiss ich: ES LIEGT AM WOLLEN!

In der Zwischenzeit durfte ich etliche Firmen kennen lernen, die sind sensationell. Und etliche, die haben noch reichlich Luft nach oben.
Ein herzlichen Dank an alle, die von sich aus dazu beitragen. 

Herzlichen Dank für’s Lesen

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